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Ernährung

Fleisch – gesund oder ungesund?

Kaum ein Thema spaltet die Menschen gerade dermaßen, wie die Frage, ob wir Fleisch essen sollten oder nicht. Viele Mythen ranken sich um das Thema. Ich möchte dir hier die notwendigen Informationen geben, um selbst zu entscheiden!

– Was zur Hölle soll ich essen: Mythen und Fakten über Fleisch –

Ich esse gern mal ein gutes Stück Fleisch – nicht mehr so oft wie früher, aber immer noch relativ regelmäßig. Bin ich damit abartig? Kann das in Einklang sein mit einer gesunden Lebensweise? Oder bin ich nur ein Heuchler, der vorgibt gesund zu leben; aber keinen Plan hat?

Sind wir als Menschen evolutionär auf den Konsum von Fleisch programmiert? Oder ist das alles nur Quatsch? Können wir uns gesund ernähren mit Fleisch? Oder sollten wir es komplett aus unserer Ernährung streichen, für ein gesundes Leben? Ist Fleisch vielleicht sogar die Ursache für viele Erkrankungen?

Ich möchte mit diesem Artikel etwas Licht ins Dunkel bringen. Und den gesundheitlichen, aber auch den ethischen Aspekt von Fleischkonsum beleuchten.

Gesundheitlicher Aspekt von Fleisch-konsum

Ok, zunächst einmal die Fakten. Es ist gar nicht so leicht die unterschiedlichen Informationen in Bezug auf Fleisch zu sondieren. Und dann die entsprechenden Schlüsse daraus zu ziehen. Für manche ist Fleisch, speziell rotes Fleisch, der Todbringer schlechthin. Es wird in Zusammenhang mit Krebs, Diabetes Typ 2 oder Herzkrankheiten gebracht. Für andere ist es eine wichtige, ja sogar essenzielle Quelle für Nährstoffe. Was der aktuelle Stand der Forschung ist, und was dies für unsere Ernährung bedeutet, möchte ich hier aufzeigen.

Die Historie des Fleischkonsums

Tierische Produkte waren schon immer ein zentraler Bestandteil der menschlichen Ernährung. Der moderne Mensch hat erst ca. 10.000 vor Christus damit begonnen, Schafe, Kühe oder Schweine zu domestizieren. Doch schon vor 400.000 Jahren wurden Speere und andere Jagd-Waffen zur Großwild-Jagd benutzt. Studien an modernen Jagd-Völkern haben gezeigt, dass sie mit ihrer fleischreichen, zuckerarmen Ernährung normalerweise keine Anzeichen von Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes oder chronischen Krankheiten zeigen.

Vom evolutionären Standpunkt aus betrachtet ist es demnach schwer, dem Fleischkonsum, der seit jeher ein Teil unserer Lebensweise darstellt, einen derart schlechten Einfluss auf unsere Gesundheit anzulasten.

Historie Fleischkonsum auch unsere Vorfahren haben Fleisch konsumiert
Warum finden sich so viele Jagd-Szenen in alten Höhlenmalereien?

In den letzten Jahrzehnten hat jedoch zunächst die vegetarische und dann die vegane Bewegung dazu geführt, dem Fleisch eine Reihe an gefährlichen Krankheiten von Krebs über Herzkrankheiten bis zu Diabetes oder Fettleibigkeit zuzuschreiben. Die gesättigten Fettsäuren im Fleisch und das tierische Eiweiß wurden stigmatisiert – wie sich mittlerweile herausstellt zu unrecht.

Es gab in der ganzen Menschheitsgeschichte keine Gesellschaft, die freiwillig auf Fleisch verzichtet hat; also freiwillig vegan gelebt hat. Fleisch ist ein nährstoffreiches Lebensmittel, das sogar in der Lage ist, Krankheiten zu verhindern oder Nährstoffmängel auszugleichen.

Gesundheitlicher Benefit von Fleisch

Wenn man an Fleisch denkt, verknüpft man es wahrscheinlich mit Proteinen. Dabei ist Protein in praktisch jedem Lebensmittel enthalten. Selbst Gemüse enthält immer auch einen Anteil an Proteinen. Nichts desto trotz ist Fleisch immer noch die Beste natürliche Proteinquelle. Und gleichzeitig noch reich an Vitaminen und Mineralien. Es gibt sicherlich auch proteinreiche Pflanzen – im Verhältnis zu anderen Pflanzen enthalten sie viel Protein. Aber eben nicht im Vergleich zu Fleisch.

Um also den täglichen Protein-Bedarf zu decken, ist es immer noch das Einfachste, dies über Fleisch zu tun. Die darin enthaltenen essenziellen Aminosäuren, die nur in wenigen Pflanzen enthalten sind, stellen hier erstmal einen großen Vorteil dar. Man bietet damit dem Körper die notwendigen Baustoffe, die er zum Erhalt der muskulösen Körperstruktur benötigt.

Aber es ist natürlich noch mehr als einfach nur eine gute Proteinquelle:

  • tierische Produkte sind die einzige, natürlich bioverfügbare Quelle für Vitamin B12, welche essenziell für uns Menschen ist.
  • Fleisch liefert Vitamin E, Vitamin D, und die anderen B Vitamine.
  • Es enthält Enzyme zur Aufspaltung wichtiger Nährstoffe, alle 9 essenziellen Aminosäuren, und Antioxidantien wie Beta-Carotin, Lutein und Zeaxanthin.
  • Ebenfalls enthält es Mineralien wie Zink, Selen, Magnesium, Natrium und Kalium, und Eisen.

Natürlich gibt es eine Vielzahl dieser Stoffe auch in pflanzlichen Lebensmitteln, aber nicht in der bioverfügbaren Form wie in tierischen. Tierische Produkte kommen auch ohne die vielen Anti-Nährstoffe aus, die Pflanzen gebildet haben, um sich vor Fressfeinden zu schützen!

Außerdem helfen tierische Lebensmittel – und dabei speziell Fleisch – die Muskelmasse zu erhalten. Und zwar besser als eine tierische Kost. Auch kann der natürliche Hormonhaushalt mit tierischen Produkten einfacher in Balance gehalten werden – dies jedoch nur unter speziellen Voraussetzungen, die ich später noch erläutere.

Es gibt also aus gesundheitlicher Sicht viele Punkte die FÜR einen Fleischkonsum sprechen!

Gleichzeitig gibt es jedoch mittlerweile eine Vielzahl an Studien, die vor Fleisch warnen oder es sogar mit tödlichen Krankheiten verbinden. Wie kann dies sein?

Probleme beim Fleischkonsum

So ziemlich jeder dürfte in den letzten Jahren von den panischen Warnungen vor Fleisch, speziell rotem Fleisch, gehört haben. Es verursacht Krebs, oder mindestens Herz-Kreislaufkrankheiten. Für viele ist es quasi tödlich. Doch wo kommst diese Hysterie her?

Es liegt an genau einem Bestandteil im Fleisch: gesättigte Fette!

Vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert wurde festgestellt, dass gesättigte Fettsäuren den Cholesterinspiegel erhöhen – und damit gleichzeitig Fleisch als Feind ausgemacht. Der Wissenschaftler Ancel Keys hat 1955 vor der Weltgesundheitsorganisation in Genf den Zusammenhang zwischen Cholesterin und Herzkrankheiten dargelegt.

Die Theorie war simpel: Erhöhte Cholesterinwerte führen zu mehr Herz-Kreislauferkrankungen. Niedrigere Werte bedeuten das Gegenteil. Zunächst einmal wurden alle Fette in der Nahrung mit dem Cholesterinspiegel in Verbindung gebracht. Nach einer Zeit wurden dann nur noch die gesättigten Fettsäuren, welche den größeren Einfluss auf die Cholesterinwerte hatten, verteufelt.

Und da gesättigte Fettsäuren hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln zu finden sind, war der Feind schnell ausgemacht.

Das Fett im Fleisch wurde als Feind ausgemacht - ist es wirklich so böse?
Das Fett im Fleisch als alleiniger Feind – ist es wirklich so böse?

Gesättigte Fette im Fleisch als ultimativer Feind?

Dass die Situation deutlich komplexer war, als hier dargestellt, war dabei schon egal. Es musste den Menschen ein Feind vorgelegt werden, den man bekämpfen kann, ohne die grundsätzliche Situation zu verändern. Und schon wurde das Kinde mit dem Bad ausgeschüttet. Selbst aktuelle Erkenntnisse, dass gesättigte Fette weitläufige gesundheitsfördernde Wirkungen haben, und somit für eine gesunde Ernährung unerlässlich sind, haben noch nicht zu einer Trendwende im Denken geführt (1).

Es wird von behördlichen Stellen immer noch vor zu viel gesättigten Fetten gewarnt. Und gleichzeitig gesundheitlich sehr bedenkliche Fette, wie Sonnenblumen- oder Rapsöl als gesund bezeichnet. In einer 2016 im BMJ Magazin veröffentlichten Studie wurden zwei Gruppen gegenüber gestellt: die eine ernährte sich reich an gesättigten Fetten aus tierischen Produkten. In der anderen tauschte man diese gegen ungesättigte Pflanzenöle aus. Mit dem Ergebnis, dass die “ungesättigte Gruppe” niedrigere Cholesterinwerte hatte – und eine erhöhte Sterblichkeit aufzeigte (2).

Plädiere ich jetzt dafür, sich Unmengen an tierischen Produkten einzuverleiben? Oder gibt es dabei doch noch ein paar grundsätzliche Punkte zu beachten?

Fleisch ist nicht gleich Fleisch

Sicherlich kennst du den abgedroschenen Spruch: Du bist, was du isst! Das stimmt in meinen Augen im Fall von Fleisch nur bedingt. Ich glaube vielmehr, dass folgender Spruch das Thema besser trifft:

Du bist, was dein Essen isst!

Dr. Mark Hyman

Und das ist genau aus dem Grund so verheerend, weil unsere schlimmsten Befürchtungen darüber, wie moderne industrialisierte Tiere gefüttert und behandelt werden, alle wahr sind.

Es dürfte sich in Wirklichkeit sogar noch viel schlimmer darstellen, als wir es uns vorstellen. Sie werden mit gentechnisch-veränderten Organismen und mit Pestiziden belasteten Futtermitteln gemästet, die absolut gar nichts mit natürlicher Nahrung zu tun haben. Sie werden mit Soja-Schrott, Mais oder Tiermehl malträtiert. Und dabei mit Hormonen und Antibiotika voll gepumpt, damit sie in Rekordzeit schlachtreif sind und die Tortur einigermaßen überstehen.

Schweinezucht Antibiotika Hormone ungesund
Fleisch um jeden Preis zu jedem Preis?

Profitgier der Nahrungsmittelindustrie und ihre Probleme für uns

Doch die Profitgier der Nahrungsindustrie geht noch weiter: es ist vollkommen legal, Vieh und Geflügel Dinge zu füttern, die niemand seinem Feind vorsetzen würde. Gemahlene Federn oder “recycelter” Tierkot sind da nur die Spitze des Eisbergs. 2017 verunglückte in den USA ein Lastwagen mit Futter für eine Tierfarm – hunderttausende rote Skittles (eine mit Zucker und chemischen Farbstoffen hergestellte Süßigkeit) bedeckten danach den Highway (3).

Süßigkeiten als Futtermittel für unsere Kühe? Kein Einzelfall, sondern eher die Regel, wie die Betreiber großer Zuchtfarmen sogar selbst zugeben.

Man muss jedoch gar nicht bis in die USA schauen, wenn man sich nur an den Fipronil-Skandal oder die Pferdefleisch-Farce bei uns zurück erinnert. Ganz zu schweigen vom Gammelfleisch-Skandal. Es scheint ebenfalls üblich zu sein, Tieren aufgrund der steigenden Futtermittelpreise billigere Abfälle zu füttern, wie z.B. Überproduktionen aus der Süßigkeiten-Industrie. Was für uns als ungesund gilt, ist scheinbar vollkommen ok für die Tiere, die wir essen.

Warum gras-gefüttertes Fleisch das Beste ist

Die industrielle Herstellung von Fleisch und ihre ganzen negativen Folgen sind nur schwer zu leugnen. Nicht nur, dass wir mit Chemie gezüchtete Lebensmittel in jedem Regal in den gängigen Supermärkten finden; auch die Umwelt leidet darunter. Neben den daraus resultierenden ethischen Problemen – die wir später noch besprechen – sollte demnach versucht werden, so lebensnah wie möglich gezüchtetes Fleisch zu konsumieren!

In unserem Kulturkreis haben sich Nutztiere wie Schweine, Kühe, Schafe oder Geflügel als bevorzugte Nahrungsquelle etabliert. So willkürlich diese Auswahl auch ist, eine Hauptsache gilt es beim Konsum von Fleisch zu beachten:

Das Tier muss die Möglichkeit haben, in einem natürlichen Umfeld aufzuwachsen und dabei ihm entsprechende Lebensmittel zu bekommen!

Optimale tierische Nahrungsformen

Da ich tierische Lebensmittel durchaus als gute Nährstoffquellen betrachte, sind für mich wiederkäuende Tiere, die Zugang zu natürlichen Wiesen haben, die beste tierische Nahrungsform. Diese wiederkäuenden Tiere haben einen Vier-Kammer-Magen, um die Nährstoffe aus dem Gras optimal extrahieren zu können.

Allesfresser wie Schweine haben nicht gerade den besten Ruf – aber dies auch nur, weil sie allen möglichen Schrott an Futtermittel bekommen. Sie fressen einfach alles, was ihnen vor die Schnauze geworfen wird. Sie sind dagegen am gesündesten, wenn sie die Möglichkeit haben, umher zu schnüffeln und verschiedene Pflanzen oder natürlichen Speisen, wie Eicheln, Obst oder Würmer und Maden vertilgen zu können. Ähnlich sieht es bei Geflügel aus. Sie leiden wohl neben den Schweinen unter den erbärmlichsten Zuständen in der Lebensmittelindustrie. Sie sind aber dann am gesündesten, wenn sie Freilauf haben und Gras sowie Würmer oder Körner picken können.

Im Gegensatz zu industriell gezüchtetem Fleisch ist das Fleisch von diesen Tieren ein komplett anderes Produkt.

Fleisch von gras-gefütterten Tieren ist am gesündesten
Fleisch von gras-gefütterten Tieren ist am gesündesten

Die im Gras und Wildkräutern enthaltenen Nährstoffe können komplett vom Tier aufgenommen werden und somit über die Nahrungskette an uns weiter gegeben werden. Durch die enzymatische Verarbeitung in den Tiermägen sind sie für uns bioverfügbar. Wir können dadurch von all den positiven gesundheitlichen Effekten des Fleischkonsums profitieren. Wir können wichtige Mineralien bekommen, in der für uns bioverfügbaren Form und dadurch z.B. die Basis für einen gesunden Hormonhaushalt legen.

Gesundheitliche Vorteile von natürlich gefüttertem Fleisch

Den industriell gefütterten Tieren wird Mais, Soja, Weizen und ähnlicher gen-veränderter Schrott vorgeworfen. Sie können sich dabei nicht wirklich bewegen und warten nur auf ihren Tod; dies entspricht sicherlich nicht im geringsten ihrer natürlichen Ernährung oder Lebensweise. Dabei werden Soja, Mais und Weizen sogar von den Regierungen als Futtermittel subventioniert.

Wie wirkt sich das auf die Gesundheit der Massen-Tiere aus?

Nicht weniger als absolut verheerend: sie entwickeln Leber-Abszesse oder tödliche Entzündungen, können ihr eigenes Gewicht nicht tragen und sterben an Herzversagen. Für die Industrie jedoch alles kein Grund diese Tiere nicht in den Nahrungskreislauf zu bringen. Mit genug Chemie baut man dann daraus Lebensmittel, die uns einen angeblichen Genuss suggerieren. Schön verpackt, mit dem Prädikat Premium oder Deluxe gekennzeichnet, damit auch ja klar wird, wie exklusiv diese Ware ist – für 2,99€ das Kilo. Man kann gar nicht soviel essen wie man dabei gerne kotzen würde!

Fleisch kann gesund sein

Klar, dass Fleisch einen so schlechten Ruf besitzt. Es gibt jedoch auch Alternativen; sogar gesundheitlich förderliche.

Die letzten drei Jahrzehnte der Lebensmittel-Forschung haben gezeigt, dass gras-gefüttertes Weidetier einige gesundheitliche Vorteile mit sich bringt:

  • gras-gefüttertes Fleisch enthält bis zu fünfmal soviel gesunde Omega-3-Fettsäuren wie industriell hergestelltes Fleisch (4).
  • ca. 40% der enthaltenen Fettsäuren sind einfach und mehrfach ungesättigt, also die Art von Fett, die in Olivenöl enthalten ist.
  • Fleisch von gras-gefütterten Tieren enthält die Fettsäure CLA, also konjugierte Linolsäure, welche unter anderem anti-cancerogen wirkt, Ablagerungen in den Arterien entgegen wirkt und das Risiko von Herzinfarkten und Typ-2-Diabetes reduziert (5).
  • es enthält hohe Anteile an wichtigen Nährstoffen wie B-Vitaminen, Vitamin E, Superoxid-Dismutase, Glutathion etc.
  • außerdem enthält es viele wichtige Spurenelemente wie Eisen, Zink, Phosphor und Kalium.

Mit etwas Weitsicht lässt sich also erkennen, dass nicht das Fleisch der Gegner ist, sondern die Art und Weise, wie es hergestellt wird! Gesundes Fleisch findet man niemals aus industrieller Herstellung, und selbst Bio-Fleisch aus Aldi, Lidl & co. ist nicht sonderlich vertrauenswürdig. Besser sind da kleine Bio-Höfe, die ihre Tiere selbst schlachten und wo man das Tier und seinen Lebensraum vor Ort begutachten kann.

Die richtige Zubereitung ist entscheidend

Wenn du dein Fleisch mit hoher Temperatur zubereitest können dadurch cancerogene Substanzen wie heterozyklische Amine (HCAs) und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAHs) entstehen. Damit sind Zubereitungsformen wie grillen, braten, frittieren oder räuchern gemeint. Also ja, Fleisch kann nachgewiesenermaßen krebserregend sein – wenn du es falsch zubereitest.

Fleisch vom Grill hat krebserregende Stoffe
Was vielleicht verlockend aussieht ist nicht zwingend gesund

Das, was dir beim Fleisch oftmals das Wasser im Munde zusammen laufen lässt, ist genau das, was du vermeiden solltest. (Diese Stoffe sind übrigens auch in gegrilltem Gemüse und Getreide zu finden.)
Besser ist es auf Niedertemperatur-Garmethoden zurück zu greifen! Also im Backofen, Bräter oder Dämpfer mit geregelter Temperatur unter 150°C.

Warum sind dann Fleisch-Esser angeblich ungesünder?

Wie kann es nun sein, dass es so viele Studien gibt, die nachweisen, dass Fleisch-Esser in schlechterer gesundheitlicher Verfassung sind, als z.B.Vegetarier und früher sterben? Der Punkt ist hier leider nicht so einfach, wie es scheint – und stark ideologisch verfärbt.

Generell lässt sich sagen, dass Personen, die sich fleischfrei ernähren allgemein gesündere Gewohnheiten verfolgen. Sie essen automatisch mehr Gemüse! Und Fleischesser oftmals von vornherein zusätzliche Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht oder einen größeren Alkoholkonsum aufweisen. Auch ergab eine Studie mit 600.000 befragten Probanden, dass sich die Fleischesser-Gruppe sich deutlich weniger bewegt hat.

Ist es das Fleisch oder die Einstellung?

Diese ganzen Punkte führen natürlich zu einem schlechteren Gesundheitszustand – mit oder ohne Fleisch! Als die angeblichen Gefahren von rotem Fleisch veröffentlicht wurden, haben sich natürlich die eh schon gesundheitsbewussteren Menschen daran gehalten – und die nicht auf Gesundheit getrimmten Personen ihren ungesunden Lebensstil aufrecht erhalten.

Eine Vergleichsstudie dagegen zwischen Fleischessern und Vegetariern, die beide in Bio-Läden einkaufen ergab keinen signifikanten Unterschied der beiden Gruppen (6).

Das heißt es kommt nicht auf das Fleisch an, sondern auf die grundsätzliche Einstellung dem Thema gesunde Ernährung gegenüber. Dies erklärt, warum es so schwierig ist, den Einfluss einer einzelnen Lebensmittelgruppe auf die Gesundheit heraus zu deuten.

Natürlich kommt es hier auch wieder auf die Qualität des Fleisches an – die Mehrzahl der verarbeiteten Fleischwaren ist mit Zucker, Füllstoffen und Zusatzstoffen wie Glutamat und Konservierungsstoffen versetzt; die alle ein höheres Krebsrisiko mit sich bringen! Es gilt also auch hier, ein Auge auf die Zusatzstoffe zu werfen anstatt das Fleisch an sich zu verteufeln. Du solltest wissen wo dein Fleisch her kommt und was darin enthalten ist!

Eine weitere große Studie von 245.000 Menschen fand keinen Unterschied in der Sterblichkeit zwischen Vegetariern, Pescetariern und Fleischessern (7). Genauso wie es möglich ist, ein übergewichtiger ungesunder Veganer zu sein ist es möglich ein gesunder, wohl-versorgter Fleischesser zu sein!

Man muss sich also vernünftige Gedanken über seine Ernährung machen. Und dazu gehört es natürlich auch, seinen Fleischkonsum prinzipiell zu überdenken!

Ethischer Aspekt von Fleischkonsum

Es gibt neben dem gesundheitlichen Aspekt – deren Vorteil unter gewissen Umständen für mich nicht weg zu diskutieren ist – noch eine weitere Ebene: der ethische und auch nachhaltige Aspekt des Fleischkonsums. Da dieses Thema auch persönliche Einstellungen enthält, transportiere ich hier natürlich hauptsächlich meinen Standpunkt. Ich möchte es trotzdem versuchen nach aktuellen Erkenntnissen zu beurteilen und ganzheitlich zu betrachten.

Ich möchte diesen Aspekt gerne in drei Unterpunkte untergliedern:

  1. Energie
  2. Emotionen
  3. Ethik

1. Energie

Es ist ja mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass ca. 80% der jährlichen Agrarproduktion in Monokulturen statt findet – mit all seinen negativen Folgen wie Wasserverbrauch, Regenwald-Abholzung, Auslaugung der Böden oder weltweiter Transport.

Dabei werden natürlich auch viele Ressourcen für die Massentierhaltung verschwendet.

Ca. 940 Liter Öl werden verbraucht um die ca. 1.700 kg Mais herzustellen, die eine einzige Kuh währen ihrer “Lebensspanne” verbraucht. Ein Fünftel des globalen Energieverbrauchs geht in die Landwirtschaft. Und ca. ein Drittel des weltweiten Frischwasserverbrauchs. (8)

Dabei ist die Fläche für den Anbau gentechnisch veränderter Sojabohnen in den letzten zehn Jahren um das 10-fache gestiegen. Nur um Tiere zu füttern? Oder auch, damit unsere Supermärkte voll sein können mit so unnatürlichen Dingen wie Tofu, Soja-Schnitzel, Soja-Milch oder Soja-Joghurt?

Die “traditionelle Viehzucht” wird sich in absehbarer Zeit nicht so drastisch ändern, um ihre negativen Folgen zu verhindern. Wir konsumieren mittlerweile doppelt soviel Fleisch wie noch vor hundert Jahren (2017 knapp 87kg/Person/Jahr in Deutschland); und somit doppelt soviel wie aus gesundheitlicher Sicht noch vertretbar.

Es gibt also für mich genau zwei Möglichkeiten, seinen eigenen Beitrag zu einer Verbesserung der Situation zu leisten:

  • bewusst Fleisch konsumieren
  • bessere Fleischquellen aus nachhaltiger Zucht konsumieren

Nur wenn diese beiden Faktoren gewährleistet sind, ist ein Fleischkonsum aus meiner Sicht vertretbar.

Einen Austausch von Fleisch durch Soja-Produkte ist dagegen neben den gesundheitlich bedenklichen Gründen auch nicht nachhaltiger als Fleisch aus Massentierhaltung! Es werden ja die gleichen Prinzipien angewendet!

2. Emotionen

Hier befinden wir uns bei einem etwas heikleren Thema. Die Frage ist: “Was musste dein Fleisch alles durchstehen, bevor es bei dir auf den Teller kam?”

Der Weg eines Zuchttieres zur Schlachtung bleibt für das Fleisch nicht ohne Folgen – neben den eh schon bedenklichen Zuchtbedingungen kommt noch der ganze Stress und die Angst dazu, die mit der Prozedur verknüpft sind; und diese werden über Hormone im Fleisch gespeichert. Es gibt Naturvölker, die Fleisch von Tieren, die angeschossen wurden und erst nach einer Flucht starben, nicht verzehren. Auch wenn das bedeutet, dass sie die nächsten Tage hungern müssen.

Unser so schön verpacktes Fleisch im Supermarkt trägt jedoch genau diese Angst- und Stress-Hormone in sich.

Fleisch als Massenware - nicht nur das Tier leidet darunter
Fleisch als Massenware – nicht nur das Tier leidet darunter

Auf der emotional-energetischen Seite gibt es einen weiteren Einfluss von Fleisch: es sorgt für einen aggressiven Anstieg der Energie nach dem Konsum, der sich dann wieder in Müdigkeit und Schläfrigkeit wandelt. Wer einmal einen Löwen beobachtet hat, weiß wovon ich hier spreche. Diese Tiere sind zwar zu schnellen Höchstleistungen im Stande. Nach einer kräftezehrenden Jagd folgt dann aber die lange Siesta und Erholung – sie dösen faul vor sich hin.

Wer diesen Lebensstil angenehm empfindet, kann sicherlich auf große Mengen Fleisch zurück greifen. Wer eher ein ausgeglichenes Energieniveau anstrebt, sollte dies vermeiden und Fleisch als eine nährstoffreiche Beilage ansehen!

Folgen für den Fleischkonsum

Um also einen Ausweg aus dieser Misere zu finden, wäre es wichtig, stressfrei gestorbene Tiere zu verzehren. Neben einem generellen Begrenzen des Fleischkonsums sollte also auf Wildtier zurück gegriffen werden. Oder wenn möglich auf Fleisch aus Weidehaltung, das nach diesen Bedingungen getötet wurde; z.B. gibt es regionale Bio-Höfe, die ihre Tiere nur von Jägern erlegen lassen, so dass die Tiere zuvor nicht in Stress oder Todesangst versetzt werden.

Grundsätzlich ist ein bewusster Umgang mit Fleisch der entscheidende Faktor!

Was zum letzten Punkt führt:

3. Ethik

Wollen wir den Körper von anderen Lebewesen verspeisen, jeden Tag, zu jedem Preis? Egal, welche Folgen das mit sich bringt?

Die Lebensmittelindustrie suggeriert uns durch geschickte Manipulation genau das. Was früher als Statussymbol diente ist mittlerweile eine verkommene Massenware geworden. Aßen die Menschen früher einmal pro Woche Fleisch, als etwas besonderes, so wird es heute verramscht und in allen möglichen Variationen zu Spottpreisen feil geboten. Jeden Tag unterbieten sich die Discounter mit Angeboten; die gar keine Angebote sind, sondern eine große Verarschung der Menschen. Wer glaubt, dass die “Angebote” ein Weg sind, günstig an gute Ware zu kommen, glaubt auch noch, dass der Storch die Kinder bringt.

Aber das alles nehmen wir gerne in Kauf – im Namen des Genusses.

Wir sind mittlerweile so weit, zu glauben, dass wir ohne Fleisch gar nicht mehr leben können… Oder fangen dann an, vegane Ersatzprodukte in Massen in uns hinein zu schaufeln!

Dabei ist es in meinen Augen gar nicht das Fleisch an sich, sondern die süchtig machenden Zusatzstoffe in den Fertigprodukten. Ein Fleischkäse hat soviel mit Fleisch zu tun wie mit Käse. Glutamat und Zucker, Aromen- und Konservierungsstoffe in großen Mengen, und fertig ist die feine Speise. Und wir abhängig von den chemischen Zusatzstoffen – nicht dem Fleisch an sich! Wer so etwas konsumiert sollte sich zumindest mal vor Augen führen, dass dafür ein Tier gestorben ist, ja sogar unter Qualen speziell dafür gezüchtet wurde.

Vielleicht können wir uns da doch wieder unsere Jäger und Sammler als Vorbild nehmen: die haben jedes Mal, nachdem sie ein Tier erlegt haben, den Göttern gedankt, für diese energiereiche, gesunde Nahrungsform. Und sie dann mit der entsprechenden Wertschätzung verarbeitet. Fast-Food und Fleisch aus Massentierhaltung, nur für den “Genuss”, stellt mit Sicherheit keine Wertschätzung gegenüber der Natur dar!

Fazit

Ja Fleisch ist ungesund – wenn es ungesund hergestellt wurde. Ein mit Kraft-Futter, Hormonen und Antibiotika chemisch verunstaltetes Tier kann kein gesundes Lebensmittel liefern. Dazu kommt noch die Vielzahl an chemischen Zusatzstoffen, die das Ganze nochmal ungesünder machen. Deshalb sind für mich alle Tierprodukte aus der “traditionellen Lebensmittelindustrie” absolut zu meiden!

Es gibt jedoch auch sehr gesunde Möglichkeiten, Fleisch zu konsumieren. Dabei spielt der ethische, energetische und emotionale Faktor die Hauptrolle. Wer sich nach Wildfleisch, gras-gefütterten Tieren mit Freilauf und ohne medikamentöse Behandlung umsieht, kann Fleisch in eine gesunde Ernährung bedenkenlos integrieren. Ich bin sogar der Meinung, dass es essenziell ist für eine gesunde Ernährung! Eine nachhaltige Zucht spielt dabei eine genauso wichtige Rolle wie eine schonende Tötung der Tiere.

Wer es dann noch schafft, seinen Fleischkonsum zu begrenzen und Fleisch bewusst zu genießen, ist mit Sicherheit auf einem guten Weg. Ich finde wir sollten uns generell in unserem Konsumverhalten immer hinterfragen. Mit etwas gesundem Menschenverstand ist es dabei möglich zu erkennen, dass ein Schweinefilet für 4,99€ aus dem Supermarkt nicht für eine artgerechte Haltung spricht – genauso wenig wie Tofu oder Soja-Milch aus Brasilien für 0,99€ 😉

Wer also aus ethischen Gründen nicht auf Fleisch verzichten will, muss dies auch nicht aus gesundheitlichen Gründen tun. Fleisch bringt deine Ernährung aus ganzheitlicher Sicht sogar auf eine gesündere Basis!

Ich hoffe ich konnte etwas Licht ins Dunkel dieser heiklen Thematik bringen – abseits von Dogmen und Schuldgefühlen.

Dein Coach-Kern


Quellen:

(1) Grashuber P, Sebera M, Hrazidra E, et al. Food consumption and the actual statistics of cardiovascular diseases: an epidemiological comparison of 42 European countries. Food Nutr Res. 2016 Sep 27;60:31694.
(2) Ramsden CE, Zamora D, Majcjrzak-Hong S, et al. Re-evaluation of the traditional diet.heart hypothesis: analysis of recovered data from Minnesota Coronary Experiment (1968-73). BMJ. 2016 Apr 12;353:i1246.
(3) Brady H. Red Skittles spilling onto Wisconsin highway were headed for cattle. National Geographic. January 23, 2017.
(4) Daley CA, Abbott A, Doyle PS, et al. A review of fatty acid profiles and antioxidant content in grass-fed and grain-fed beef. Nutr J. 2010 Mar 10;9:10.
(5) Castro-Webb n, Ruiz-Narvaez EA, Campos H. Cross-sectional study of conjugated linoleis acid in adios tissue and risk of diabetes. Am J Clan Nur. 2012 Jul; 96(1):175-81.
(6) Key TJ, Thorogood M, Appleby PN, Burr ML. Dietary habits and mortality in 11.000 vegetarians and health conscious people: results of a 17 year follow up. BMJ. 1996; 313(7060): 775-79.
(7) Mihrshahi S, Ding D, Gale J, Allman-Farinelli M, Banks E, Bauman AE. Vegetarian diet and all cause mortality: evidence from a large population-based Australian cohort – the 45 and Up Study. Press Med. 2017 Apr; 97:1-7
(8) https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Studie_Fleisch_Zusammenfassung.pdf; Zugriff: 14.Februar 2019

 

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