Fest Konfetti Glück
Seele

Die Sache mit dem Glück

Eines der Dinge, das mich in meinem Leben am meisten beschäftigt hat, war die Suche nach dem Glück. Genau wie bei der Liebe gibt es dabei sehr unterschiedliche Deutungen davon, was es bedeutet, glücklich zu sein.

Eine gute Mahlzeit, wenn wir hungrig sind, ein guter Wein nach einem langen Arbeitstag, die gemütliche Zweisamkeit mit der Liebsten, die Beförderung, auf die wir so lange gewartet haben, der Schul- oder Universitätsabschluss. Oder auch einfach der Komasuff am Wochenende nach einer harten Arbeitswoche, um vielleicht den Schmerz zu vergessen, kann uns glücklich machen. Wir finden viele Wege, uns kurzfristig glücklich zu fühlen – mit freundlicher Unterstützung der Industrie und der Medien. 

Aber darum soll es hier nicht gehen – denn diese Dinge haben alle eines gemeinsam: sie sind vergängliche, flüchtige Momente, die von äußeren Umständen abhängen. 

Was ich mich immer fragte, war: Ist dies die einzige Möglichkeit Glück zu empfinden? Oder gibt es eine tieferliegende Ebene des Glücks, zu der wir alle fähig sind? 

Die Maske des Glücks

Wir alle wollen glücklich sein. Möglichst oft wenn es geht. Es gibt mittlerweile eine ganze psychologische Sparte, die sich mit der Glücksforschung beschäftigt: die positive Psychologie. Wir kennen alle das belebende Gefühl von Liebe, Befriedigung, innerer Ausgeglichenheit und Erfüllung, das wir Glück nennen.

Und wir wissen um die Vergänglichkeit dieser Sache. 

In unserer Kindheit und Jugend, als wir gelernt haben uns an die gesellschaftlichen Normen anzupassen (und unsere Gefühle so zu unterdrücken, dass wir ins Schema passen), wurde uns beigebracht, wie es so aussieht, als seien wir glücklich. Wie Freude auszusehen hat (auch wenn wir sie nicht empfunden haben); wie wir gute Mine zum bösen Spiel machen. Uns wurden die Bedingungen für Glück erklärt, nämlich dass man fleißig und brav zu sein hat, denn dann hat man ein Anrecht auf Glück. 

Doch niemand hat uns tatsächlich beigebracht, wie das funktioniert mit dem glücklich fühlen. 

Maske Glück - zeigst du dein wahres Ich oder eine Maske die du denkst zeigen zu müssen
Zeigst du dein wahres Gesicht – oder nur eine glückliche Maske?

Im Gegensatz zu dem, worauf oftmals in unserer Kultur Wert gelegt wird, nämlich glücklich auszusehen und in die Kamera zu lächeln, ist »wahres Glück die mit der Zeit und durch Übung erworbene Fähigkeit, unabhängig von äußeren oder inneren Umständen positive Energie auszustrahlen!«. Oder einfach gesagt: die Fähigkeit, Glück zu empfinden und auszustrahlen, ist nicht davon abhängig, wie gut unser Leben gerade läuft. Sondern ob wir uns des darunter liegenden Glücks bewusst sind!

Das klingt vielleicht esoterisch oder abgehoben, mindestens aber etwas leichter, als es dann tatsächlich ist – wobei ich mir nicht mal dessen sicher bin. Ich möchte trotzdem versuchen, dies mit diesem Artikel etwas verständlicher zu machen. Denn was es wirklich bedeutet ist, wir können z.B. gerade Zorn und Wut empfinden, und trotzdem glücklich sein.

Bist du des Glücks würdig?

Doch dazu bedarf es einiger Übung und vor allem die grundsätzliche Überzeugung, dass uns Glück überhaupt zusteht. »Klar, natürlich steht mir das Glück zu!« könntest du jetzt denken. Aber wenn du mal vollkommen ehrlich zu dir bist, ist es gut möglich, dass dies nur bedingt gilt. Kannst du die Dinge tatsächlich so akzeptieren, wie sie sind?

Es gibt gute Gründe, sein Glück nicht zu sehr öffentlich zur Schau zu stellen. Wie kann man denn wahrhaftig glücklich sein, wenn doch die Welt so offensichtlich mit Unheil, Leid und Zerstörung zu kämpfen hat? Eins ganz pauschal vorweg: wer so denkt, hat schon verloren. Denn es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass je stärker und glücklicher wir sind, desto eher können wir einen positiven Einfluss auf die Welt ausüben.

Ängstliche, traurige, wütende oder unglückliche Menschen bringen genau das in die Welt: Angst, Trauer, Wut und Unglück. Das gleiche gilt für glückliche Menschen. Glück ist eine der ansteckendsten Energien überhaupt. Wenn meine Nichte und mein Neffe mit mir toben, ausgelassen spielen, und mich dabei freudestrahlend anschauen, werde ich regelrecht von ihrem Glück infiziert. Sind deshalb alle meine Sorgen gelöst? Nein, aber ich gehe mit einer ganz anderen Energie an die Lösung heran. 

Leider haben wir uns selbst ein paar Hindernisse auf dem Weg zum Glück aufgebaut.

Die »Wenn – Dann – Falle«

Das Glück an sich ist etwas schwer fassbares, eigentlich nicht wirklich greifbar. Man könnte es physiologisch mit einer bestimmten Menge an Glückshormonen definieren; aber hier ist es wie bei der Henne und dem Ei: was war zu erst da? Oder wir machen es daran fest, wie gut es gerade bei uns läuft, wieviele unserer Wünsche schon erfüllt sind. Doch das Erreichen eines Wunsches ist meistens die Geburt eines neuen Wunsches. 

Mein Haus mein Auto. Ist es schon genug?
Mein Haus, mein Auto… Mist ein Boot fehlt noch!

Prinzipiell läuft alles auf das dasselbe heraus: hinter all unseren Sehnsüchten und Wünschen steht der Wunsch, glücklich zu sein; also ein Gefühl! Deshalb streben wir auch danach – auf unsere ganz eigene Weise. Nach materiellem Erfolg, nach Anerkennung und Liebe, nach Erfolg, Frieden, Gerechtigkeit oder spiritueller Erleuchtung. Das macht unser Leben spannend und erfüllt es mit Sinn. 

Und doch hat es einen Haken: es geht immer davon aus, dass uns noch etwas fehlt zu unserem Glück. Es bleibt immer eine Sehnsucht, die uns weiter anspornt. Genau aus diesem Grund verfehlen wir aber damit unseren Wunsch nach echtem Glück. Wir fokussieren uns mit unserer Aufmerksamkeit auf das, was uns nicht gefällt. Und blicken dadurch am Glück vorbei. 

Wenn ich in einer Beziehung glücklich bin, oder mich nach einer Beförderung, wenn ich mir das neue Auto leisten kann, glücklich fühle, aber ohne all das nicht, dann kenne ich die Bedeutung von bedingtem Glück. Und befinde mich in der »Wenn-Dann-Falle«.

Aber genau wie bei der Liebe gibt es auch beim Glück eine bedingungslose Form.

Wo man das Glück nicht findet

Der größte Vorteil meines letzten Studiums war, dass ich gelernt habe, dass es mich nicht glücklich macht. Hätte ich es nicht getan, würde ich vielleicht ewig dem Gedanken nachhängen, dass mein Leben glücklicher verlaufen wäre. 

Das gleiche gilt für das Einkommen. Wer es nie versucht hat, mehr zu verdienen, wird vielleicht ewig damit hadern. Trotzdem wurde in einer Befragung gezeigt, dass zwar über 70% der Leute davon ausgehen, mehr Geld würde sie glücklicher machen, dass dies jedoch nur bis zu einer bestimmten Summe gilt (die Zahlen variieren hier von 60.000-90.000€ Jahreseinkommen). Darüber hinaus hat mehr Geld nicht mehr die Wirkung mehr Glück.

Oder die Sache mit einer Beziehung. Wer sehnt sich nicht danach, einen Lebenspartner zu finden, der unseren Idealvorstellungen von einem guten Freund, Seelenverwandten und Liebhaber entspricht? Das müsste doch zumindest das erhoffte Glück bringen. Doch jeder, der in einer Beziehung ist, weiß bestimmt um die täglichen Herausforderungen und Probleme, die damit verbunden sind. Es ist eben nicht immer alles eitel Sonnenschein. 

Vielleicht besteht des Rätsels Lösung dann in einer sinnvollen Arbeit? Das könnte es sein; eine derart beglückende Arbeit, dass es sich gar nicht mehr wie Arbeit anfühlt. Dass wir jeden Morgen beim Aufstehen uns schon auf den Tag freuen. Und klar, eine sinnvolle Arbeit ist sicherlich besser, als ein Beruf, der uns überhaupt keinen Spaß macht. Doch selbst von ihrer Arbeit erfüllte Menschen wissen, dass es keine Garantie für dauerhaftes Glück ist. Es ist eher das Streben nach einer Utopie, bei der wir wieder die totale Perfektion wollen.

Dann bleibt uns wohl nur noch Gesundheit als Schlüssel zum Glück – denn was hilft denn schon alles andere, wenn wir nicht gesund sind? Aber ich kenne einige Menschen, die vor Gesundheit geradezu strotzen – aktuell gehöre ich auch dazu – und trotzdem ist das kein Garantieschein fürs Glück. Es hat den Vorteil, dass man sich grundsätzlich darum keine Sorgen machen muss, aber es kann auch ganz schnell zum Wahn werden und uns vom Glück abschneiden. 

Bitte nicht falsch verstehen – natürlich ist nichts schlechtes daran zu studieren, zu heiraten, einen guten Beruf mit einem guten Gehalt zu ergreifen, sich um seine Gesundheit zu kümmern etc. All diese Dinge haben das Potenzial uns auf eine bestimmte Zeit bedingt glücklich zu machen. 

Doch da das Wesen des Lebens Veränderung ist, kann uns eben nichts auf der Welt im Außen dauerhaft in Hochstimmung versetzen. 

Deshalb führt in meinen Augen auf dem Weg zum echten Glück kein Weg daran vorbei, sich dem bedingungslosen Glück zu öffnen.

Glück ist eine Sache des Augenblicks

Bevor mir diese Tatsache bewusst wurde, dachte ich immer, mir Glück auch verschaffen zu können: durch so banale Dinge wie Süßigkeiten (der Zucker liefert kurzzeitig eine Menge Doapmin), oder einen Kuss, Ablenkung durch einen guten Film, oder die neuesten Sneaker.

Doch das tiefe, durchdringende Gefühl von »es ist gerade gut so wie es ist« konnte ich dadurch auf Dauer nicht produzieren. Dazu bedurfte es eines Wechsels meiner Perspektive, weg vom schnellen (und vergänglichen) beschaffen eines glücklichen Hochs, hin zum aktiven glücklich sein! Genauer gesagt zu der Einstellung: Glück ist etwas, das ich tue! Aktiv. Und zwar unabhängig von den äußeren Umständen. 

Natürlich könnte so gut wie jeder Mensch seine Lebenssituation noch verbessern. Doch wenn wir Glück nicht im jetzigen Moment finden – unabhängig von unseren Lebensumständen – werden wir es nirgends finden können. Ich habe immer die Menschen bewundert, die trotz ihrer Umstände ein Lächeln auf den Lippen hatten – ein echtes Lächeln und eine positive Energie ausgestrahlt haben. Am besten und deutlichsten entdeckt man sowas noch bei spielenden Kindern.

Kinder sind grundlos glücklich
Kannst du auch einmal “grundlos” glücklich sein?

So wollte ich sein, das wollte ich erreichen. Dachte ich muss nur den Schlüssel zu diesem Ziel entdecken und schon ist alles gut. Dabei befand ich mich damit in der Falle, schon wieder etwas erreichen zu wollen, anstatt etwas zu sein! 

Ich suchte also nach einem Grund, oder einem Vorwand, glücklich sein zu dürfen. So lange, bis der nächste Grund zum Unglücklichsein kam. Doch Glück ist kein Zustand – es ist eine Sache des Augenblicks, zu dem wir jeder Zeit Zugang haben, wenn wir es wollen. 

Wenn ich fünf Stunden an einem Text sitze, mich abmühe meine Gedanken in eine geordnete Form zu bringen, ihn dann durchlese und feststelle, dass alles totaler Murks ist, dann ist das der Augenblick, wo meine Fokussierung entscheidet, wie ich mich fühle, wie ich damit umgehe. Wenn ich dann nach so einem Morgen zur Arbeit gehe und meinen Frust an den Kunden auslasse, die ja offensichtlich nicht das Geringste damit zu tun haben, beeinflusse ich sogar noch deren Tag negativ. Ich kann aber auch meine Gedanken wahrnehmen, sie beobachten und nach einem kurzen Wutanfall ein Lächeln aufsetzen und die »Tragik« in einem anderen Licht sehen. Wer verbietet mir denn in diesem Augenblick nicht trotzdem glücklich zu sein? Nur ich selbst.

Um nochmal etwas esoterisch zu werden: Glück ist also nicht das Ziel – es ist der Weg/die Grundeinstellung. Das gibt es übrigens völlig umsonst (weshalb wir in der Werbung davon nichts erfahren); aber eben nicht anstrengungsfrei.

Der Mut zu positiver Energie

Was sich jetzt hier so leicht liest hat mich in Echtzeit viele Jahre und einiges an Mut gekostet. Ich glaube ich war jahrelang regelrecht davon besessen, mein Glück in meinen äußeren Umständen zu suchen und es über diese zu definieren. Mit maximal mäßigem Erfolg…

Um trotz der Widrigkeiten des täglichen Lebens unterschwellig ein gewisses Glücksgefühl zu bewahren, musste ich zunächst einmal meine Angst überwinden, dass mir Glück gar nicht zusteht. Und um Angst zu besiegen braucht es immer eine große Portion Mut! Den Mut die Bereitschaft zu haben, allem zum Trotz, was sich gerade in meinem Leben abspielt, die positive Energie der Akzeptanz und Dankbarkeit zu wählen. Also weg von dem was mir noch fehlt – hin zu dem was ich schon habe.

Glück ist dabei immer eine Entscheidung von dir selbst. Nur du hast die Macht, Glück in deinem Leben zuzulassen. Was heißt das genau?

Bestimmt kennst du jemanden, der scheinbar alles hat, und dennoch unzufrieden ist. Vielleicht persönlich – vielleicht aus den Medien. Wenn wir uns anschauen, wieviele unglückliche Promis es gibt, die scheinbar alles hatten – Erfolg, Ruhm, Geld, Anerkennung – und sich trotzdem in den Suizid flüchteten, dann erkennen wir, wieviel Macht wir selbst haben. 

Andersherum gibt es immer wieder Menschen, die mit dem scheinbar wenigen, was sie besitzen, super zufrieden und glücklich sind. Nicht, dass die sich einfach mit ihrem Schicksal angefunden hätten, was natürlich auch passieren kann, aber diese Menschen haben oftmals ein Leuchten in den Augen, eine vibrierende Energie wenn sie über Dinge erzählen, was sich nicht einfach so vorspielen lässt.

Glücklich im Regen oder nicht - es ist deine Wahl
Glücklich sein im Regen? Dem Regen macht es nichts aus, wenn du unglücklich bist!

Diese Menschen haben die Entscheidung getroffen, Glück in ihr Leben zu lassen. Vielleicht sogar unvernünftigerweise – weil, was haben die schon erreicht? Sie sind manchmal so grundlos glücklich, dass es auf uns Leistungsgetriebene oftmals etwas inadäquat wirkt. Die handeln dann frei nach dem Motto:

»Ich freue mich wenn es regnet! Weil wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem!«

Und solche Menschen dienen mir als Vorbild, mich dafür zu entscheiden, dass ich gar nicht zu leiden brauche, nur weil mir angeblich etwas fehlt. Und nur weil ich gerade in einer kleinen Krise stecke muss auch nicht die ganze Welt mit mir leiden. Jeden Augenblick kann ich mich dafür entscheiden, mit welcher Energie ich auf die Dinge reagiere. Und genau das bedarf Mut.

Das heißt nicht, dass es leicht ist. Oder dass ich jetzt erleuchtet durch die Welt schwebe, mit der inneren Ruhe eines Zen-Meisters. Schön wärs… Aber ich habe zumindest einmal die grundsätzlichen Spielregeln verstanden – und kann jetzt überhaupt erstmal damit beginnen, das Spiel zu spielen! 

Übung macht den Meister 

Das bedarf Training – und wie bei jedem Lernprozess macht man am Anfang erst einmal Fehler, »vermasselt« alles, ist verwirrt und ärgerlich. Zumindest ging das mir so…

Wichtig ist, nicht einfach nur alles gut zu heißen, auch wenn es eben nicht so läuft wie man das gerne hätte. Wenn dein Haustier gestorben ist, deine Freundin fremd geht, oder du deinen Job verloren hast, hilft es dir nicht wirklich weiter zu behaupten, es ist alles gut. Zähne zusammen beißen und glücklich sein. Ich hoffe du siehst den Widerspruch – das wäre die Definition von psychotisch.

Es geht um die grundsätzliche Einstellung, mit der du auf eine Situation reagierst. Du kannst angemessen um etwas trauern, ohne dass deine Welt ganz in sich zusammen fällt. Du kannst Personen aus deinem Leben verbannen, weil sie dich wertlos behandelt haben. Und dabei deine Würde und dein Glück behalten. Vielleicht ergeben sich ganze neue, viel bessere Dinge dadurch? Nur mal so eine Idee. 

Glück braucht Training - Boxen Kinder Training
Was danach so einfach wirkt hat davor viele Stunden Training erfordert!

Wenn man allen inneren und äußeren Lebensumständen zum Trotz immer wieder positive Energie ausstrahlt, gelingt das mit der Zeit immer besser (es wird aber niemals ganz leicht, nur leichter!), vor allem wenn man lernt seine Gedanken nicht mehr so ernst zu nehmen. 

Praktische Übungen 

Wenn ich früher solche Zeilen gelesen habe, war meine erste Frage immer: Und wie soll das jetzt gehen? Genau das ist eine der häufigsten Fragen, die mir immer gestellt wird.

»Das klingt ja schön und gut, aber wie soll das genau funktionieren? Bei mir klappt das nicht!«

Mal abgesehen davon, dass dies natürlich ein Prozess ist und keine Wunderpille, die man einmal schluckt, ist das eine angemessene Frage. Aber auch eine schwer zu beantwortende. Die Umsetzung ist immer sehr individuell. 

Prinzipiell gilt: Je mehr Widerstände du aus dem Weg räumst, je mehr hinderliche Glaubenssätze und Überzeugungen aus der Vergangenheit, desto einfacher wird es. 

Manchmal hilft mir ein äußerer Impuls, wie zum Beispiel ein Text über die Macht des Glücks. Dann rückt sich meine Wahrnehmung wieder in ein anderes Licht. Es bedarf gelegentlich einfach einer kleinen Erinnerung, dass ich die Schönheit der Welt nur in dem Maß wahrnehmen kann, wie ich sie in meinem Inneren erfahre. Egal wie gut meine Umstände sind, ich muss eben auch bereit sein, das zu erkennen. Das kann ich mir eigentlich gar nicht oft genug ins Gedächtnis rufen.

Manchmal verspüre ich auch aus heiterem Himmel dieses warme Gefühl der Dankbarkeit, was scheinbar grundlos durch meinen Körper zieht. Glücklich ohne Grund? Dann weiß ich wieder, dass ich mir mein Gefängnis in der Welt die meiste Zeit selbst baue. Dass es auch anders geht und ich mich durch meine Gedanken oftmals selbst einsperre.

Und klar sehne ich mich oftmals nach mehr Geld, mehr innerer Ruhe und Gelassenheit oder mehr Talent im Schreiben. Aber ist mein Glück davon abhängig? Ich tue eben alles so gut, wie ich es aktuell kann. Manchmal gelingt das besser, und manchmal auch schlechter. Und dann werde ich wütend auf mich und die Welt.

Dann wird es Zeit, meine Gedanken zu hinterfragen: wenn ich mir meinen gewohnheitsmäßigen Ablenkungen meines Verstandes bewusst bin und seine übertriebenen Verallgemeinerungen (»Alles ist scheiße!«, »Ich habe total versagt!«) entlarve, kann ich mehr oder weniger schnell feststellen, dass das nicht stimmt. Nicht alles ist scheiße, sondern wahrscheinlich gerade die eine Sache, der ich außerordentliche Bedeutung beimesse. 

Die einzige sinnvolle Frage ist dann: kann ich daran etwas ändern?

Falls ja: gut, dann heißt es heraus zu finden, wie. Wenn nicht, auch gut, es fühlt sich vielleicht eine Zeit lang scheiße an, aber ich habe ja die Wahl, wie ich damit umgehe; und mich nicht darauf einzulassen. Um mich dann lieber mit Dingen zu beschäftigen, die ich beeinflussen kann (damit habe ich oftmals schon genug zu tun). 

Hier ist es so wie bei dem viel zitierten serenity prayer oder Gelassenheitsgebet:

»Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.«

Serenity Prayer

Vielleicht nimmst du dir einfach jeden Abend ein kleines Büchlein zur Hand und hälst schriftlich fest, was in deinem Leben schon alles stimmt, also was vielleicht schon ganz gut ist. Nichts hochtrabendes, vielleicht deine funktionierenden Arme und Beine (dieser Mann hier schafft es auch ohne eine wahre Inspiration zu sein)…

Ich bin mir sicher, dass du mehr Sachen findest, die schon jetzt makellos sind und nicht selbstverständlich. Und vielleicht gar nicht alles so miserabel ist, wie du denkst (dir dein Verstand oder deine verzerrte Wahrnehmung weiß machen wollen). Vielleicht wirst du sogar mit der Zeit mehr und mehr deinen Fokus auf Facetten richten können, die es wert sind, gefeiert zu werden?

Bilanz Journaling Journal Glück
Was läuft schon gut – was noch nicht? Die Basis jeder Veränderung ist eine akkurate Beschreibung der Situation!

Natürlich kannst du in die Bilanz auch die Dinge aufnehmen, die noch nicht so sind, wie du sie dir vorstellst. Halte fest, was dir deiner Meinung nach zu deinem Glück fehlt. Manchmal fällt einem dabei schon auf, wie verhaftet man an die Dinge und das Erreichen von ihnen ist. Falls du doch etwas findest, was geändert werden soll (davon gibt es immer etwas), am besten mit Ideen, wie du die Situation langsam dahingehend modifizieren kannst, dass sie mehr deinen Vorstellungen entspricht. Was fehlt dir noch? Welche Gewohnheiten hindern dich daran, das gewollte Ergebnis in dein Leben zu bringen?

Entscheidend ist dabei wie immer die Bewusstwerdung deiner Gedanken. Wenn du deine negativen Gedankenmuster, die dich aktiv von deinem Glück ablenken, entlarvst und als das erkennst, was sie sind – nämlich Konstruktionen deines Verstandes – kannst du dich Stück für Stück einer wahren inneren Zufriedenheit öffnen.

Fazit

Das Streben nach Glück ist ein tiefes menschliches Verlangen. Leider wird es uns entweder nicht richtig beigebracht, was es bedeutet glücklich zu sein; das wahre Glück ist nicht wirklich abhängig von unseren äußeren Umständen. Oder es wird uns sogar durch soziale Konventionen madig gemacht, uns glücklich zu fühlen. Jedes zur Schau gestellte Glück wird (zumindest ist das mein Eindruck in Deutschland) tendenziell eher mit Neid betrachtet als mit Anerkennung. 

Das bringt uns schnell in die »Wenn-Dann-Falle«, in der wir es uns erst erlauben glücklich zu sein, wenn wir etwas erreicht haben. Natürlich können wir in diesem Leben bestrebt sein, unsere äußeren Lebensumstände zu verbessern – das ist auch ein Ziel von mir. Doch wir dürfen auch schon auf dem Weg dorthin eine positive Energie ausstrahlen, uns das Glücklich-Sein erlauben. 

Je mehr negative Gedankenmuster wir dabei entlarven und eliminieren, desto offener werden wir für das wahre, zugrunde liegende Gefühl von echtem Glück. Nicht die Momente in denen wir happy waren beleben uns auf Dauer, sondern die tiefe Gewissheit, dass nur wir die Macht haben, unser Leben zu gestalten; uns unser Glück aufzubauen. 

Das Bedarf neben dem Mut, uns aktiv dafür zu entscheiden, es uns wert zu sein, auch einer gewissen Ausdauer. Wenn wir uns dabei bewusst werden, dass wir viele Umstände in unserem Leben nur sehr bedingt kontrollieren können, aber unsere Einstellung dazu unsere Wahl ist, kann der Weg nicht nur um einiges leichter werden, sondern sich sogar gut anfühlen.

Wahres Glück ist eine Sache des Augenblicks und immer für uns zugänglich – wenn wir denn wollen! Also sei nett zu dir, achte darauf wie du mit dir redest. Wenn es niemand sonst tut, kannst wenigstens immer du aufbauend mit dir reden 🙂

Dabei wünsche ich dir viel Glück 😉

Dein Coach-Kern 

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