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Eines Tages werden wir sterben

Entschuldige die Drastik. Das ist nicht makaber gemeint – es ist eine Tatsache. Zu leben bedeutet irgendwann zu sterben. Alles ist ein Werden und Vergehen. Was das mit dem Sinn des Lebens zu tun hat und wie es mir bewusst wurde, darum geht es in dem Artikel heute.

Die Vergänglichkeit der Dinge

Eines Tages werden wir sterben.

Wir haben deshalb zwei Möglichkeiten: entweder wir akzeptieren diese Tatsache und machen das verdammt nochmal beste daraus. Oder wir halten uns wie die drei Affen die Augen, Ohren und den Mund zu und träumen in unserem La-la-Land von dem ewigen Morgen, prokrastinieren und hoffen, dass es das Universum gut mit uns meint und uns unsere Träume erfüllt…

Ich habe mich oft nach dem Sinn des Lebens gefragt; und ehrlich gesagt erschien mir lange Zeit vieles sehr sinnlos. In meiner Jugend musste ich in die Schule – lernen und gehorchen waren eine lästige Pflicht; das andere Geschlecht war mir suspekt – zwar anziehend, aber dennoch verängstigend. Dann sollte ich mich für ein Studium entscheiden, etwas aus meinem Leben machen. Ziele haben und Visionen. Einen Sinn finden. Doch irgendwie hat mich das nie fasziniert. Es musste es doch mehr geben. Warum das ganze Theater? Immer fand ich einen Grund, unzufrieden zu sein.

Vergänglichkeit Wüste Baum
Alles ist vergänglich – das Leben ist dafür da, gelebt zu werden.

Dann lag meine Oma im sterben. Sie hatte einen Schlaganfall und lag mehr oder weniger bewusstlos im Krankenhaus. Die Ärzte gaben ihr noch ein paar Tage, nach und nach durften sich die Familienmitglieder noch von ihr verabschieden. Es war mein Geburtstag als ich zu ihr ging.

Das Leben ist dafür da, gelebt zu werden

Ich bin bei meiner Oma groß geworden, sie war eine starke Frau; manchmal hart, aber immer liebevoll. Ich habe sie geliebt und liebe sie immer noch. In der Zeit des Abschiedes musste ich an viele Momente mit ihr denken. Sie hat mir bei den Hausaufgaben geholfen, obwohl sie mindestens so wenig Ahnung davon hatte wie ich. Aber das war egal, gemeinsam haben wir es geschafft. Danach gab es etwas gutes zu essen und dann hat sie einen Mittagsschlaf gemacht. Abends haben wir zusammen Aktenzeichen XY geschaut; mich hat das zwar immer gegruselt, aber bei ihr war ich sicher. Zu der Zeit konnte ich mir gar nicht vorstellen, was es heißt, sie nicht mehr zu haben. 

Später, in meinen Zwanzigern, war ich immer zu beschäftigt, um wirklich viel Zeit mit ihr zu verbringen. Beschäftigt damit, irgendeinen Sinn im Leben zu finden, mir die Nächte mit Alkohol um die Ohren zu schlagen, an die ich mich nicht mehr erinnern kann. Und Frauen rum zu kriegen, deren Namen ich alle schon wieder vergessen habe. Ich wollte irgendwo ankommen, mich gut fühlen und endlich dieses kleine Ding namens Sinn finden – warum ich hier bin! 

Alte Frau Fenster
Mit einem Lächeln auf den Lippen lebt es sich leichter

Und währenddessen hatte meine Oma schon alle Weisheit für mich parat. Wie oft sagte sie mir: »Klar, das Leben kann einen mitnehmen, aber wir geben nicht auf. Egal was wir tun, immer den Kopf hoch, Ärmel hochkrempeln und weiter gehts. Es ist nicht wichtig was wir tun, solange wir uns sicher sind warum und wie wir es tun – am besten mit einem Lächeln auf den Lippen«. Sie hatte es sicher nicht leicht in ihrem Leben, und dennoch fand sie immer einen Grund zu lachen. Ihre Familie war alles für sie. Ich war ihr kleiner Chrissl. 

In der Zeit kurz vor Feiertagen wie jetzt an Ostern denke ich dann immer stärker zurück an sie. Das war ihre heilige Zeit. Die Familie kam zusammen und sie konnte einfach dabei sein und sich an dem Anblick ihrer Enkel erfreuen. Dann wird mir wieder bewusst, wie schnell das Leben vorbei sein kann, und wie unwichtig doch oftmals unsere Sorgen im großen Kontext betrachtet sind. 

Wir stehen uns manchmal einfach selbst im Weg

Wieviel Druck wir uns unnötig machen, den perfekten Beruf für uns zu finden, die perfekten Freunde zu haben und immer perfekt auszusehen auf Instagram. Wir wollen verstanden werden und den Sinn des Lebens finden. Doch irgendwann wird das niemanden mehr interessieren. Dann zählt nur noch, wie sehr wir das Leben genossen haben. Ob wir auch mal über uns lachen konnten. Oder ob wir zu uns standen, auch wenn das niemand anderes getan hat. 

Immer wenn ich vor etwas zurück schrecke, oder vor mich hin prokrastiniere, denke, das könnte noch warten, erinnere ich mich jetzt daran, dass ich eines Tages sterben werde. Nicht mit Angst und Bedrückung, sondern als kleine Erinnerung, dass nur ich darüber entscheide, wie mein Leben auszusehen hat. Dass genau ich meinem Leben den Sinn gebe, den ich will. Klar gibt es dabei ein paar Spielregeln zu befolgen. Dazu zählt aber nicht, wer es schafft die größten Spielzeuge mit ins Grab zu nehmen. Sondern die Qualität, die dein Leben während dessen hat. 

Und das kannst nur du entscheiden. Was du wirklich willst. Je früher dir das bewusst wird, desto mehr kannst du das Leben nach deinen Regeln gestalten. 

Die Reue auf dem Sterbebett

Einer Befragung in einer Todeshospiz nach bereuen die Menschen am Sterbebett am meisten das, was sie NICHT getan haben. 

Den Groll den sie mitgeschleppt haben, weil sie einem Familienmitglied nie verzeihen konnten. Oder die Entscheidung, die sie nicht getroffen haben. Den Job, den sie nicht gewählt haben, weil er zu unsicher war. Oder aus Angst davor, scheitern zu können. Die Frau oder den Mann, den sie nicht angesprochen haben…

Es geht nicht darum zu denken, nach mir die Sintflut; das wäre pathologisch. Sondern dir klar darüber zu werden, was du selbst willst. Im Hier und Jetzt zu leben, und dabei eine Vision zu verfolgen. Die kleinen Momente wertschätzen zu können.

Die Zukunft ist Jetzt
Die Zukunft ist Jetzt

Manchmal klappt das bei mir. Dann genieße ich mein Essen, ohne dabei fern zu sehen. Trinke meinen Kaffee am Morgen, ohne auf mein Handy zu starren; sondern Blicke aus dem Fenster und beobachte die Vögel, erfreue mich am Duft und der Stille der Morgenluft. Bin dankbar für die kleinen Dinge. Esse langsam, liebe mit ganzem Herzen, und verabschiede mich von alten Wegen, wenn es an der Zeit dazu ist. Meine Probleme sind damit nicht verschwunden, aber meine Sichtweise auf die Dinge hat sich geändert.

Vielleicht hilft auch dir das, deinem eigenen Lebensglück etwas näher zu kommen.

Dein Leben liegt in deinen Händen

Als ein Individuum besitzt letztendlich nur DU die Macht, dein Leben zu kreieren – oder es eben nicht zu tun. Somit liegt dein individuelles Schicksal in deinen eigenen Händen.

Meistens vergessen wir das, wenn wir vor schwierigen Herausforderungen stehen – dann erscheint uns das Leben oftmals unfair und ungerecht. Aber egal wie schwer deine aktuelle Herausforderung auch sein mag, sei dir sicher, dass es für jede Aufgabe in deinem Leben jemanden gibt, der schon schwierigere Situationen gemeistert hat. Du bist niemals das Opfer deiner Umstände – sie sind lediglich das Material, das dir aktuell zur Verfügung steht! 

»Unter der Oberfläche unseres täglichen Lebens liegt eine Suche nach etwas Tieferem, ein Weg aufwärts, unseren Träumen und Hoffnungen entgegen.«

Dan Millman
Weg Baum Blüten
Es ist einig dein Weg – lasse links und rechts ein paar schöne Erinnerung entstehen

Klar, es erfordert Mut, Entschlossenheit und innere Stärke diesen Weg zu gehen. Aber auch Geduld und Beharrlichkeit. Dich an deine Sterblichkeit zu erinnern kann den ersten kleinen Funken Mut in dir entzünden, dich auf den Weg aufwärts zu begeben. Oder eben auch Kleinigkeiten zu unterlassen, die du denkst tun zu müssen, nur weil sie angeblich von dir erwartet werden.

»Wir können aus diesem Leben nichts mitnehmen – dafür aber umso mehr hinterlassen!«

Was würdest du auf dem Sterbebett bereuen, nicht getan zu haben? 

Dein Coach-Kern

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